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Zwischen Achterbahn und Acker: Warum mein Nervensystem im Winter andere Wege braucht


Blick auf den geschlossenen Movie Park Germany im Winter. Hinter dem Park beginnen weite Felder, die sich perfekt für ruhige Spaziergänge fern vom Trubel eignen.

Ich stehe vor dem geschlossenen Movie Park Germany in Bottrop. Die Achterbahnen stehen still. Keine Musik, kein Gedränge, keine Warteschlangen. Dort, wo im Sommer tausende Menschen unterwegs sind, ist jetzt einfach nur Ruhe.


Es ist Anfang Februar und die Freizeitparks haben Off-Season. Wir haben daraus inzwischen eine kleine Tradition gemacht: Einmal im Winter laufen wir hinter diesem Park entlang. Direkt hinter den Kulissen beginnen die Felder. Weite Landschaft, frische Luft und das Gefühl, plötzlich viel Abstand zum Alltag zu haben.


Hier findest Du die Route auf Komoot.


Im Sommer komme ich hierher für das komplette Gegenteil. Dann will ich das volle Programm. Achterbahnen, Lärm, Menschenmassen, Adrenalin. Ich mag das wirklich sehr.


Aber im Winter braucht mein Körper etwas anderes:


Ruhe.

Weite.

Abstand.


Gerade wenn man mit Morbus Crohn lebt, merkt man irgendwann ziemlich deutlich, wie stark Stress und Nervensystem miteinander verbunden sind. Wenn ich hier über die Feldwege laufe, merke ich relativ schnell, wie mein Stresspegel sinkt.


Keine Musik aus Lautsprechern.

Kein Gedränge.

Nur Schritte auf dem Boden und frische Luft.


Der Kopf wird ruhiger, der Körper muss nichts leisten. Er darf einfach mitgehen.


Und manchmal passiert dabei etwas, das viele Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung kennen: Selbst der Toilettendrang wird ruhiger. Nicht, weil plötzlich alles „geheilt“ ist, sondern weil von außen einfach weniger Stressreize kommen.


Das ist kein medizinisches Versprechen. Es ist nur eine Beobachtung aus meinem Alltag mit Morbus Crohn.


Eigentlich wollten wir heute einfach nur einmal um den Park herumgehen. Doch als wir Richtung Schloss Beck laufen, sehen wir plötzlich einen vollen Parkplatz. Dort findet an diesem Wochenende ein Wintermarkt statt.


In solchen Momenten läuft bei mir sofort dieser typische Gedanke im Hintergrund:

Bleiben oder lieber umdrehen?


Wer mit Morbus Crohn lebt, kennt das. Menschenmengen können anstrengend sein. Gleichzeitig möchte ich mich aber auch nicht komplett aus allem zurückziehen.


Also geben wir dem Ganzen eine Chance.


Wer meine Inhalte kennt, weiß, dass ich ein kleines Faible für Toiletten-Checks habe. Ich nenne das gerne „Toiletten-TV“. Bevor ich irgendwo länger bleibe, schaue ich mir zuerst an, wie die Toilettensituation ist.


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Das nimmt unglaublich viel Stress raus.


Hier war alles sauber, es wurde ständig gewischt und gepflegt. Für jemanden mit Morbus Crohn ist das tatsächlich ein wichtiger Punkt. Wenn ich weiß, dass ich im Zweifel schnell eine saubere Toilette finde, kann sich mein Nervensystem deutlich schneller entspannen.


Der Eintritt zum Wintermarkt war übrigens gratis. Ich habe irgendwann mal gelernt: „Gratis“ fühlt sich oft sogar besser an als „kostenlos“. Wenn etwas nichts kostet, entsteht auch kein Druck, unbedingt bleiben zu müssen.


Zwischen Ständen mit handgemachten Sachen und mittelalterlichem Glühwein entdecke ich schließlich eine Bude mit Erbsensuppe: 4,50 Euro. Und vor allem: keine lange Schlange.


Ein kleines Risiko vielleicht. Aber sie war richtig lecker und hat bei der kalten Luft tatsächlich ziemlich gut getan.


Wir setzen uns ein Stück abseits vom größten Trubel hin. Das ist für mich immer wichtig. Ein bisschen Abstand, trotzdem dabei sein.


Schublöscher-Lounge von Kai Flockenhaus – Unterstütze das Projekt „Ich und mein Crohn“ und werde Mitglied der Community für Menschen mit Morbus Crohn und CED.

Und genau das ist für mich inzwischen der Schlüssel im Umgang mit solchen Situationen.


Es geht nicht darum, Trubel komplett zu vermeiden. Aber es geht auch nicht darum, sich immer mitten reinzuwerfen. Die Wahrheit liegt meistens irgendwo dazwischen.


Gerade noch absolute Stille auf dem Feldweg.

Ein paar Minuten später Menschen, Musik und Marktstände.


So ist das Leben.


Nur Ruhe ist auf Dauer nicht gesund.

Nur Trubel aber auch nicht.


Die Kunst liegt darin, auf die eigene Tagesform zu hören.


An manchen Tagen wäre ich wahrscheinlich beim Blick auf den vollen Parkplatz direkt wieder umgedreht. Heute hat es sich richtig angefühlt zu bleiben.


Ein Gedanke hilft mir dabei immer sehr: Ich kann jederzeit gehen.


Ich muss nichts durchziehen, nichts beweisen und keine Erwartungen erfüllen. Wenn es mir zu viel wird, drehe ich einfach um.


Diese Freiheit nimmt unglaublich viel Druck aus solchen Situationen.


Ich habe dich bei diesem Spaziergang übrigens auch mit der Kamera mitgenommen. Wenn du sehen möchtest, wie ruhig es im Winter hinter dem Freizeitpark wirklich ist und wie der Wintermarkt bei Schloss Beck aussieht, kannst du dir hier das Video dazu anschauen.


Kai Flockenhaus vor dem Wintermarkt bei Schloss Beck in Bottrop. Das Video zeigt, wie Spaziergänge und bewusste Reizreduktion das Nervensystem bei Morbus Crohn beruhigen können.


Als wir schließlich zurück zum Auto gehen, ist es schon dunkel geworden. Die Lichter vom Wintermarkt leuchten zwischen den Bäumen und der Tag fühlt sich plötzlich sehr rund an.


Keine großen Erwartungen und kein Druck.


Einfach ein paar Schritte draußen.


Wenn du selbst mit Morbus Crohn oder einer anderen chronisch entzündlichen Darmerkrankung lebst, kennst du vielleicht diese Hürde: überhaupt erst das Haus zu verlassen.


Mein Impuls für dich ist ganz einfach.


Probier es aus. Geh ein paar Schritte raus. Schau, wie sich dein Körper heute fühlt. Und wenn es nicht passt, kannst du jederzeit wieder umdrehen.


Manchmal reicht schon ein kleiner Spaziergang, damit sich das Nervensystem wieder ein bisschen sortiert.


Bleib oder werd herrlich schubfrei – denn so lebt es sich am besten.

Dein Kai 🧯


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Dringender Hinweis: Bitte beachte, dass die in diesem Artikel geteilten Informationen und Inhalte ausschließlich der Bildung und persönlichen Weiterentwicklung dienen und keinesfalls professionelle medizinische Beratung, Diagnose oder Behandlung ersetzen. Ich bin kein Arzt und meine Inhalte sind nicht dazu bestimmt, eine Form von Krankheiten oder gesundheitlichen Zuständen zu diagnostizieren, zu behandeln, zu heilen oder zu verhindern. Für medizinische Beratung oder Behandlungen wende Dich bitte an Deinen Arzt oder einen qualifizierten Gesundheitsdienstleister. Alle geteilten Erfahrungen und Ratschläge reflektieren meine persönliche Meinung und sind als Inspiration und Austausch von Perspektiven gedacht. 

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