top of page

Selbstsabotage bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa: Glaub nicht alles, was dein Kopf dir sagt


Podcast-Cover Ich und mein Crohn, Folge zu Selbstsabotage bei Morbus Crohn, Kai Flockenhaus am Mikrofon mit gelbem Schublöscher

Ich nehme dich heute mit in eine Geschichte, die ich so erlebt habe, dass ich beim Rausgehen dachte: Die muss ich teilen. Es geht um eine Kirmes, um ein Karussell aus der Hölle, und um die kleine Stimme in deinem Kopf, die dir jeden Tag erzählt, was alles nicht geht. Bleib mal dran, wir gehen da gemeinsam tief rein.

Ganz kurz vorweg: Du weißt, ich bin systemischer Coach. Systemisches Coaching ist, ganz einfach heruntergebrochen, nichts anderes als Muster suchen, Muster erkennen, und diese Muster dann auflösen. Und ich finde es großartig, wenn ich in meinem eigenen Leben in Situationen gerate, in denen ich meine eigenen Muster erkenne, weil ich dann lache und denke: Guck mal, jetzt hast du dich selber, und jetzt lösen wir das schön auf. Denn wir sabotieren uns alle immer mal wieder im Alltag, und das ist gar nicht schlimm, es ist sogar irgendwie cool, aber noch cooler ist es, es zu erkennen, es aufzulösen, und dann wieder ein Stück an dir selbst zu wachsen.


Die Kirmes vor der Tür


Voodoo-Jumper auf der Kirmes mit Stichflamme, Menschen schauen vom Geländer zu, Sinnbild für Selbstsabotage bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa

Meine Schwester wohnt an einer Kirmes. Einmal im Jahr wird direkt vor ihrem Haus alles aufgebaut, und seit sie Kinder hat, mein Patenkind, sind wir jedes Jahr an dem einen Tag dort, an dem die Kirmes eröffnet. Wir grillen, wir gehen los, und irgendwann muss man dann auch das eine oder andere fahren.

Neben dem Laufhaus, in das mein Patenkind unbedingt wollte, stand ein Voodoo-Jumper. Falls du nicht weißt, was das ist, schau Dir das Foto oben an. Es ist ein Karussell mit Armen, die hydraulisch hoch- und runtergehämmert werden, während sich das Ganze dreht. Mit Lasertechnik, Lichttechnik, Feuertechnik. Es sah jedes Jahr mega genial aus, und seit ungefähr zwei Jahren wollte ich da drauf. Gemacht habe ich es nie, weil ich Angst hatte.


Denn ich stand immer wieder vor diesem Karussell, habe diese Hämmerbewegungen von oben nach unten gesehen, und habe gedacht, das kann nicht gut sein für meine Bauchnarbe. Ich habe eine riesengroße Bauchnarbe vom Stoma, ich habe damit im Alltag keine Probleme, also warum sollte ich das riskieren? Und dann sehe ich diesen engen Kopfbügel, kenne ich von der Achterbahn, der schrappt alles am Bauch entlang, und mit diesen Bewegungen kommst du da nicht ohne Probleme wieder runter. Also stand ich jedes Mal davor wie ein Kleinkind, das gerne möchte, aber nicht darf, und bin wieder abgezogen.


Datenschutz-Hinweis: Diese Folge ist über Spotify eingebunden. Sobald du auf Play klickst, baut dein Browser eine Verbindung zu den Servern von Spotify auf, dabei wird unter anderem deine IP-Adresse übertragen, möglicherweise auch in Länder außerhalb der EU. Erst wenn du den Player aktiv startest, passiert das. Details findest du in meiner Datenschutzerklärung.


Der Sprung ins Karussell


Diesmal kam ich aus dem Laufhaus, stand wieder vor dem Voodoo-Jumper, und dachte, wir haben gerade gegessen, ich habe gar keine Probleme, ich glaube, ich könnte jetzt einfach fahren. Ich habe meinen Schwager gefragt, ob er Bock hat, der war sofort dabei, ich habe zwei Karten geholt, und wir haben uns in die Schlange gestellt.

Und da war sie wieder. Die Stimme in meinem Kopf. Diese Bewegungen sind nicht gut für deine Bauchnarbe. Der Bügel wird ratschen, du wirst gleich Schmerzen haben, und du kannst nicht abbrechen. Was ist, wenn deine Verdauung gleich losstartet, du hast gerade gegrillt, du kannst da drin nicht anhalten, die halten das Ding doch nicht für dich an. Und dann sagt der Typ neben mir: So, ihr könnt durch, gebt mir eure Karten, und plötzlich sitzen wir im Karussell.

Was dann passierte, war einfach genial. Das Ding fuhr los, der erste Ruck nach oben, und allein die Geschwindigkeit war so absurd schnell, dass ich einfach nur noch gelacht habe. Die ganze Fahrt über habe ich gelacht. Drei Minuten den Spaß meines Lebens. Ich bin da rausgegangen und habe gesagt: Jetzt kann ich alles fahren, ich habe das überlebt. Ich war beim Aussteigen bestimmt einen halben Meter größer und bin geschwebt.


Und dann habe ich mir noch die nächste Fahrt angeschaut und gedacht, ich fahre das Ding gleich nochmal. Gar kein Problem. Jetzt. Vorher war es ein riesengroßes Problem. Ich habe mir über zwei, drei Jahre hinweg diesen Spaß selbst genommen, weil ich auf die Stimme gehört habe, die in meinem Kopf Alarm geschrien hat.


Du möchtest regelmäßig kleine Impulse, Reflexionen und echte Geschichten aus dem Alltag mit CED? Dann abonniere mein kostenloses Schublöscher-Magazin und verpasse nichts, was dich stärken kann.


Und jetzt bring es in deinen Alltag


Jetzt sagst du vielleicht: Ja, Kai, aber ich will keinen Voodoo-Jumper fahren, Achterbahn ist nicht meins. Dann bringen wir es woanders hin. Wann hast du das letzte Mal etwas nicht gegessen, weil du Angst hattest, du verträgst es nicht und musst danach wieder auf die Toilette? Wann hast du das letzte Mal ein Grillen mit Freunden abgesagt, weil du Angst hattest, du schaffst es nicht, du isst das Falsche, dir geht es nicht gut, du verbrauchst zu viel Energie, und du landest wieder im Schub? Wann hast du zuletzt etwas abgesagt, aus Angst, weil du genau wusstest, es war immer so, warum soll es jetzt anders sein?


Wenn dir gerade eine Sache in den Kopf kommt, dann hast du dich selbst sabotiert. Und ich sage dir aus der Arbeit mit Menschen, die selbst Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa haben: Wir haben das sehr, sehr oft als Thema auf dem Tisch, dass wir uns im Alltag immer und immer wieder selbst sabotieren. Bleib du bitte bei deinem Thema, während ich von meinem Karussell rede. Wo hast du dich das letzte Mal selbst zurückgenommen und geschützt?


Kopf oder Fakt


Lass uns systemisch draufschauen, was da eigentlich passiert. Der Kopf spricht ständig mit uns, den ganzen Alltag über, und wir hören sehr oft darauf und bewerten das als Fakten. Natürlich ist der Bügel eng, natürlich reibt er am Bauch, natürlich sind diese Bewegungen vielleicht nicht die beste Idee für eine Narbe, natürlich. Aber ist das ein Fakt? Nein.


Es ist Erfahrung. Erfahrung aus der Vergangenheit. Ich habe schon mal in einer Achterbahn gesessen, wo der Bügel sehr ähnlich war, sehr eng, es hat gescheuert, es hat während der Fahrt wehgetan. Und diese Erfahrung wollte mich schützen. Unser Kopf möchte uns sehr gerne sehr oft schützen. Aber wir dürfen ihm nicht immer nachgeben. Denn wann hast du zuletzt etwas nicht gegessen, weil du Angst hattest, danach passiert etwas? Das ist auch Erfahrung. Und sehr oft ist dein Körper schon viel weiter, als du denkst, weil du zu sehr auf deinen Kopf hörst.

Die Stimme in deinem Kopf ist keine Wahrheit. Sie ist ein altes Protokoll, das dich vor etwas warnt, das vielleicht längst nicht mehr gilt.


Eine Woche mit offenen Ohren


Wenn du magst, gebe ich dir eine Aufgabe mit. Geh die nächste Woche mit offenen Ohren durch deinen Alltag. Setz dich am besten abends hin, nimm ein Blatt Papier oder dein Handy, und notiere dir, wo du dir heute selbst zugehört hast, wo du reagiert und dich geschützt hast, wo du dich selbst sabotiert hast.

Am Anfang ist das gar nicht leicht. Diese Dinge sind so selbstverständlich geworden, das esse ich lieber nicht, nee, das mache ich nicht, das sind Routinen, die uns gar nicht mehr auffallen.


Das ist übrigens einer der Gründe, warum ein Coaching so viel bringt, weil einem selbst oft gar nicht auffällt, was man da macht, weil man von Schmerzen betroffen ist, weil man zu wenig Energie hat, weil man in seiner Vorsicht so gefangen ist. Und wenn dann jemand von außen mit dir gemeinsam draufschaut, wird manchmal etwas sichtbar, was man sonst nicht gesehen hat.


Kai Flockenhaus, Coaching-Motiv Von der Überforderung zur Selbstbestimmung für Menschen mit Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa


Mach diese Liste eine Woche lang. Und danach kommt die eigentliche Aufgabe, nämlich die nächste Woche einfach mal nicht auf deinen Kopf zu hören. Was passiert, wenn du das tust? Plötzlich gehen Türen auf. Ich bin jetzt eine Erfahrung reicher, mein Kopf wird beim nächsten Mal sagen, Breakdance, guck mal, das ist doch nicht so schlimm wie der Voodoo-Jumper, den fahren wir jetzt. Und geht der Breakdance schief, habe ich beim übernächsten Mal wieder ganz andere Warnungen im Kopf. So funktioniert das.


Und schade ist, dass darüber in der CED-Bubble so wenig gesprochen wird. Wir wissen doch alle, Kopf, Gehirn und Darm gehören zusammen und funktionieren zusammen. Du kannst dich in wahnsinnigen Stress bringen, der dazu führt, dass du wieder auf die Toilette musst. Aber wenn es in diese Richtung geht, geht es dann nicht auch andersrum? Diese Frage musst du für dich beantworten. Ich habe sie für mich beantwortet, ja, es geht auch andersrum. Es ist anstrengend. Aber es ist so viel schöner, weil es so viel mehr Möglichkeiten gibt.


Der Kopf des Kindes


Zu dieser Geschichte gehört noch ein zweiter Kopf mit seinen Stimmen. Der Kopf des Kindes, das draußen vor dem Karussell auf seinen Papa gewartet hat, der mit mir eingestiegen ist. In der Mitte des Karussells war ein großer Feuertopf, aus dem immer wieder eine Stichflamme kam, die wir da oben deutlich gespürt haben. Und das Kind hat gesagt: Das kann doch nicht sein, dass mein Papa an so einem Kessel ist, wo so eine Stichflamme rauskommt. Sein Kopf hat die ganze Zeit versucht, sich zu beruhigen.


Genau das meine ich. Glaub nicht alles, was dein Kopf dir sagt. Es sind sehr oft Erfahrungen und keine Fakten. Wenn du das weißt, wenn du das aushebelst, wenn du das in Zukunft mit in deine Entscheidungen packst, entstehen plötzlich ganz andere Möglichkeiten.


Also, wann hast du zuletzt eine Entscheidung getroffen, von der du genau weißt: Das war zu viel Selbstschutz? Geh diese Woche mal los und hör nicht auf deinen Kopf, sondern auf dein Bauchgefühl, und schau, welche Türen aufgehen.


Hab einen herrlich schubfreien Tag.

Dein Kai 🧯


Inhalt und Erfahrungen von Kai Flockenhaus, mit KI-Unterstützung verschriftlicht.

Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
bottom of page