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Arbeiten mit Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa: REHADAT im Gespräch zur beruflichen Integration

Aktualisiert: 6. Juni


Seit ich meinen Podcast „Ich und mein Crohn“ gegründet habe, habe ich ein Herzensthema, die berufliche Teilhabe. Ich kenne aufgrund meiner beruflichen Laufbahn den Arbeitsmarkt von allen Seiten.

Ich durfte beim Träger mit Menschen zusammenarbeiten, die mindestens ein „Vermittlungshemmnis“ vorwiesen. Dann war ich im Jobcenter tätig und schließlich in der Industrie- und Handelskammer. Dabei begleitete mich das Thema berufliche Teilhabe immer wieder.

Nach meinem Darmriss musste ich plötzlich meine eigene berufliche Situation an meine Bedürfnisse anpassen und weiß daher, wie schwer so etwas ist.

Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels quer durch alle Branchen ist aus meiner Sicht dieses Thema noch mal wichtiger geworden.

Doch welche Lösungen gibt es überhaupt für die Arbeitnehmer und auch Arbeitgeber? Wie kann man für beide Seiten, den Arbeitsplatz attraktiv gestalten?

Gerade bei nicht sichtbaren Behinderungen kommen oft Probleme im Alltag auf, an die man oft gar nicht denkt und die direkte Auswirkungen auf die Krankheitsbewältigung haben.


Wer ist REHADAT?


REHADAT ist seit über 30 Jahren die zentrale, unabhängige und überregionale Informationsplattform in Deutschland, die sich rund um die Themen Behinderung und berufliche Teilhabe dreht. REHADAT beschäftigt sich nicht nur mit bereits bestehenden Behinderungen, sondern auch mit Menschen, die von Behinderungen bedroht sind, einschließlich aller chronischen Erkrankungen. Die Mission von REHADAT ist es, Aufklärung zu diesen Themen zu betreiben, Inklusion im Berufsleben darzustellen und den Anspruch auf selbstbestimmte Teilhabe und Chancengleichheit zu fördern. Dieser Auftrag hat gesetzlichen Rückhalt gefunden und wurde durch die UN-Behindertenrechtskonvention auf globaler und Bundesebene verstärkt. REHADAT ist ein Teil dieser Gesamtstrategie, die darauf abzielt, die Arbeitssituation von Menschen mit Behinderung auf den neuesten Stand zu bringen und zu verbessern​​. Dabei finanziert sie sich als Projekt eines öffentlichen Trägers und strebt danach, Informationen zu verbreiten, ohne daraus einen persönlichen Nutzen zu ziehen. Die Arbeit und die bereitgestellten Materialien sind kostenfrei, mit dem Ziel, allgemein zu informieren und zu unterstützen.


Ich durfte mit Eva Eisch und Philipp Trögeler von REHADAT ein Gespräch als Podcastfolge aufnehmen. Grundlage für unser Gespräch ist die Broschüre von REHADAT-Wissen „Ich höre auf mein Bauchgefühl“ zur beruflichen Teilhabe bei CED“.


Diese Broschüre ist keine theoretische Abhandlung eines Arbeitslebens mit Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa. Sie berichtet aus der Praxis heraus und ist untermauert mit aktuellen Daten einer Studie.


Herausforderungen im Arbeitsleben


Vielleicht kennst Du als CED Patient die gleiche Situation, wie ich sie erlebt habe. Dein Arbeitsplatz befindet sich am Ende eines langen Flures, den Du erst mal ablaufen musst, wenn Du auf die Toilette musst. Dann kommst Du wieder zum Schreibtisch zurück und wie es manchmal bei CEDlern so ist, musst Du schon wieder. Dabei läufst Du an Deinen Arbeitskolleginnen und Kollegen vorbei, die sich darüber wundern, wie oft Du auf die Toilette gehst.

Viele befragte Betroffene sind durch ihre CED im Arbeitsleben belastet, was den Umgang mit der Erkrankung erschwert.

Dies wiederum führt oft dazu, dass die Belastung der Arbeit für die Menschen mit CED ihren Tribut fordert, weil der Verbrauch von mentaler und körperlicher Energie steigt.


Durch die Offenlegung der eigenen Erkrankung gibt es hier flexible Gestaltungen der Arbeitszeit oder des Arbeitsplatzes. In der Podcastfolge, die Du hier im Artikel findest, berichten Eva und Philipp darüber, dass es auch Menschen gibt, die von ihrem Arbeitgeber einen Zugang zu einer privaten Toilette bekommen haben. Es gibt also die Möglichkeit, individuelle und oftmals auch improvisierte Lösungen zu finden, die, die Lebensqualität der Arbeitnehmer*innen steigert und davon profitiert dann auch wieder der Arbeitgeber. Die Offenlegung der Krankheit wird von vielen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer als Risiko angesehen, dabei kann darin auch eine echte Chance bestehen.


Rechtliche Rahmenbedingungen und Unterstützungsmöglichkeiten


Die Broschüre macht auch deutlich, dass über die Hälfte der Befragten keinen Grad der Behinderung (GdB) beantragt haben. Nur rund 40 % haben einen anerkannten GdB. In der Podcastfolge haben wir darüber berichtet, wie sehr sich auch ein Widerspruch lohnen kann. Ich habe es selbst erfahren.


Ein anerkannter GdB oder eine Gleichstellung über die Arbeitsagentur, bringt einem nicht nur den Kündigungsschutz. Bei einem anerkannten GdB bekommst Du auch mehr Urlaubstage, die zur eignen Erholung bei Morbus Crohn und Colitis Ulcerosa wirklich wichtig sein können.


Du weißt nicht, wie Du Deine Schwerbehinderung beantragen kannst? Hier gebe ich Dir eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.


Praktische Tipps für den Berufsalltag


In der Podcastfolge wurde deutlich, dass Menschen mit einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, gerade durch die Pandemie wegen der aufkommenden Homeoffice-Regelung, von dieser flexiblen Arbeitsanpassung profitiert haben.

Beide Seiten können von flexiblen Arbeitszeiten oder toleranten Abwesenheitsregelungen, sowie den regelmäßigen Home-Office-Möglichkeiten profitieren und von CED-Betroffen werden diese sehr geschätzt.


Eine offene Kommunikation über die Erkrankung mit dem Vorgesetzten und den Arbeitskolleginnen und Arbeitskollegen kann für alle den Arbeitsalltag erleichtern und im Leben mit CED nimmt dies vielleicht auch eine große Portion Druck raus.

Denn die Bedeutung der offenen Kommunikation darf nicht unterschätzt werden.



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Bedeutung offener Kommunikation


Die Broschüre und entsprechend auch die REHADAT Studie machte deutlich, dass 91% der Befragten angaben, zur Arbeit zu gehen, obwohl es ihnen nicht gut geht und obwohl ein Arzt davon abgeraten hat. Dies unterstreicht noch mal die Wichtigkeit von Präsentismus trotz CED Erkrankung und macht aus meiner Sicht deutlich, wie wichtig eine offene Kommunikation der Krankheit eigentlich ist.


Ein offener Dialog kann den Druck verringern und zu mehr Verständnis sowie Unterstützungsangebote am Arbeitsplatz führen. Ich selbst habe dies auch die letzten Jahre immer wieder erfahren.


Denk mal bitte darüber nach, wie viel Deiner Lebenszeit Du mit Deiner Arbeit verbringst. Danach darfst Du Dich gerne mal selbst danach befragen, wie es bei Dir eigentlich um Deinen Präsentismus mit Deiner Erkrankung steht.



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